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Was ist "Copy Kills Music"... ??



Von interessierter Seite wurde mir folgender Text zugespielt, den ich
mangels Word o ae. mit Lynx konvertiert habe. Zweierlei ist bemerkenswert:
Zum einen geht es ganz klar um "Geistigen Diebstahl", also nicht das
kostenlose Kopieren fuer Freunde, da wird noch differenziert, ob es auf
Aufforderung geschieht, so ist das ja immer, wenn jemand eine Datei
anklickt, btw, oder ohne Aufforderung, etwa als Geburtstagsgeschenk, haben
wir das nicht schon alle einmal erlebt ? - Mit "geistigem Diebstahl"
meine ich mal Taten mit Bereicherungsabsicht, siehe "Sven". Koennte sein,
dass "Svens" ein echtes Problem sind, schliesslich werden die groessten
Umsaetze gerade in dieser Altersgruppe getaetigt. Spricht aber eher fuer
und nicht gegen mp3.

Zum anderen wird die Aktion als "Rueckzugsgefecht" bezeichnet, wo immer
der Zug hingeht.

Heiko


Have fun, weiss gerade nicht, wie ich die Umlaute umbauen koennte, Perl..:


COPY KILLS MUSIC - DAS ENDE VOM LIED?

   Wer als musikinteressierter Mensch dieser Tage aufmerksam den
   Wirtschaftsbereich der Fach-, Publikums- und Tagespresse verfolgt,
   k”nnte es aus zweierlei Grnden mit der Angst zu tun bekommen: Die
   Plattenindustrie klagt ber drastische Umsatzverluste und entwirft
   dstere Szenarien einer nahen Zukunft, in der fr Newcomer und Bands
   abseits der Verkaufscharts kein Platz mehr sein wird. Auf der anderen
   Seite entpuppt sich der Audio-CD-Recorder als Renner im
   Weihnachtsgesch„ft - bloá mit der Crux, dass Santa Claus im
   Kleingedruckten mit dem schlechten Gewissen wedelt, und es vorstellbar
   ist, dass es sich in naher Zukunft sowieso nicht mehr lohnt, CDs zu
   brennen. Wie das eine mit dem anderen zusammenh„ngt und welche
   Ver„nderungen stattgefunden haben, akut sind oder sich erst anbahnen,
   versuchten wir zu ergrnden. Sven (17) ist seit einem knappen Jahr
   Jungunternehmer. Das Gesch„ft floriert, sein Umsatz boomt ordentlich,
   und Steuern muss er auch nicht zahlen. Ein Anmeldung beim Finanzamt
   w„re an seiner Stelle auch nicht sehr schlau, denn sp„testens beim
   Ausfllen des Formulars k„me er in die Bredouille - Schulhofpirat ist
   nun mal keine anerkannte Berufsbezeichnung. Er leiht sich bei Freunden
   und seinem Bruder, die alle zu doof sind und scheinbar zu viel Geld
   haben die neuesten CDs aus, kopiert sie, scannt das Cover ein, und
   vertickt die gebrannten CD-Rs samt Booklet-Farbausdruck fr zehn bis
   fnfzehn DM an Freunde und Bekannte - in guten Monaten bis zu 120
   Stck: Es gibt Stammkundenrabatte. Auáerdem tausche ich auch ab und zu
   gebrannte CDs - wenn ich mir nirgends das Original herorganisieren
   kann. Wobei dann natrlich wieder Probleme mit dem Cover auftauchen.
   Doch auch das l„át sich mit einem gerttelten Maá an krimineller
   Energie l”sen, denn die Sicherheitssysteme im ”rtlichen Plattenladen
   kann man getrost als guten Witz bezeichnen. Knapp 2000 CD-Rs fasst
   sein Archiv, auf das jederzeit zugegriffen werden kann. Skrupel? Ach
   was. Wieso auch? Meine Kunden machen ein gutes Gesch„ft, und ich
   natrlich auch. Die Plattenindustrie schwimmt doch sowieso im Geld.
   Und die L„den sind alle versichert... Nur die Tatsache, dass jetzt
   immer mehr Leute an seiner Schule einen CD-Brenner besitzen, gibt Sven
   zu denken. Fr einen Monopolisten ist Konkurrenz auf Dauer alles
   andere als gesch„ftsbelebend - noch dazu, wenn aus ehemaligen Kunden
   Mitanbieter werden... Martin ist 24 und besitzt all das Equipment, das
   in einen guten Informationsgesellschaftshaushalt geh”rt: Premiere
   World-Abo, Dreamcast-Konsole, Power-Pentium-Rechner mit
   Internet-Zugang, MP3-Player und seit Weihnachten einen DVD-Player.
   Seinen CD-Brenner hat er sich schon kurz nach der Markteinfhrung, als
   die Dinger noch sauteuer waren, gekauft, wie er stolz berichtet. Ist
   inzwischen zwar schon etwas berholt und auáerdem recht langsam, aber
   fr seine Zwecke reicht es. Haupts„chlich stelle ich mir private
   Sampler mit meinen Lieblingssongs zusammen. Dazu kommen Kopien fr den
   Discman und den Wechsler im Auto. Sicher ist sicher, vor allem da der
   Twingo schon zwei Mal geknackt wurde. Martin gilt als Musikfreak, er
   nimmt als Geburtstagsgeschenk ”fter mal einen selbst zusammen
   gestellten Sampler auf, und ab und zu will Studienkollege Frank von
   ihm CDs gebrannt haben, die er mal anchecken will: Ich mach das dann
   zwar, habe aber irgendwie ein ungutes Gefhl dabei. Zwei Beispiele,
   ein Trend: Der CD-Brenner erobert die Wohn- und Kinderzimmer, und das
   mit rasanter Geschwindigkeit. In nur 21 Monaten nach der
   Markteinfhrung wurden weltweit eine Million Ger„te verkauft - damit
   ist der Audio CD-Recorder-Markt einer der am schnellsten wachsenden
   M„rkte in der Geschichte der Unterhaltungselektronik. Bereits
   Weihnachten 2000, so die Prognosen, werden die praktischen
   Musikkopierer in 3 Millionen deutschen Haushalten stehen. 60 Millionen
   CD-Rohlinge wurden 1999 in Deutschland verkauft, und Sch„tzungen, die
   auf einer einer GfK-Studie beruhen, gehen davon aus, das rund ein
   Sechstel, also ca. 10 Millionen, davon zu illegalen Kopierzwecken
   missbraucht wurde. Aber was bedeutet hier berhaupt illegal? Wie genau
   sieht die Rechtslage eigentlich aus? Gem„á S: 53 Abs. 1 des
   Urheberrechtgesetzes sind Kopien zum privaten Gebrauch ausnahmsweise
   zul„ssig. Mit Einfhrung der bespielbaren MusiCassette wurde diese
   Ausnahmeregelung Mitte der 60er Jahre installiert, da man verhindern
   wollte, dass breite Bev”lkerungsschichten zu Kriminellen abgestempelt
   wrden - auáerdem gab es sowieso keine Wege, hier ein Kontrollsystem
   zu installieren. Der privaten Vervielf„ltigung von CDs sind jedoch
   Grenzen gesetzt. Konkret heiát das, dass immer nur einige wenige
   Kopien angefertigt werden drfen und die Vervielf„ltigung nur fr den
   privaten eigenen Gebrauch get„tigt wird, wozu auch noch der Gebrauch
   durch Familienangeh”rige oder enge Freunde z„hlt. Auf unser Beispiel
   mit Martin bezogen heiát das: Kopie im Auto ja, Kopie fr Frank ja,
   Geschenk fr Freunde nein - es sei denn, es handelt sich um solche der
   engen Sorte, die ihren Wunsch vorher ausdrcklich ge„uáert haben...
   Doch die Probleme, von denen die Musikindustrie spricht, werden nicht
   von Martin verursacht, es sind die vielen Svens, die der Branche 1999
   Umsatzverluste in H”he von 220 Mio. DM einbrachten - eine Summe, die
   in etwa dem Betrag entspricht, den alle Bundesliga-Clubs in einer
   Saison direkt durch Stadioneinnahmen erwirtschaften. Zum Vergleich:
   Laut Jahreswirtschaftsbericht des Bundesverband der Phonographischen
   Wirtschaft (BPW) betrug der Gesamtumsatz fr bespielte CDs, MCs, LPs
   und Singles im Jahre 1998 5,3 Mrd. DM, womit der Musikzweig weit vor
   den Ums„tzen der Filmindustrie, der Videoprogrammanbieter oder der
   Theater- und Opernh„user liegt und eindeutig die Spitzenposition im
   Bereich der sog. Kulturindustrie innehat. Nicht nur diese Position,
   sondern die Existenz der gesamten Industrie, wie man sie heute kennt,
   scheint in Frage gestellt, wenn man den dsteren Prognosen Glauben
   schenkt: Schon n„chstes Jahr soll sich die Anzahl der illegalen Kopien
   versechsfacht haben, der Schaden 1,2 Milliarden DM betragen. Doch
   nicht nur Plattenindustrie, Knstler und Verleger verfallen in
   Schwanenges„nge, auch der Handel ist betroffen - und das gleich
   doppelt. Einerseits werden wie erw„hnt weniger Original-CDs verkauft,
   andererseits macht sich in Plattenl„den eine neue Form des
   Ladendiebstahls immer st„rker bemerkbar: der Bookletklau, der den zu
   Hause gebrannten Rohling zum nahezu mit dem Original identischen
   Produkt aufwertet. Da unvollst„ndige CDs nicht mehr an die Labels
   retourniert werden k”nnen, tr„gt der Handel den Schaden selbst. Die
   CDs gelten als verkauft und flieáen somit in die offiziellen
   Verkaufsstatistiken ein. Theoretisch ist es fr eine Band also
   denkbar, eine Goldene Schallplatte zu erhalten, ohne eine einzige CD
   regul„r verkauft zu haben - man muss sich nur 150.000 Booklets klauen
   lassen... Was also tun? Die L”sung besteht aus drei W”rtern, falschem
   Englisch, und nennt sich Copy Kills Music. Diese Kampagne, ber die
   die meisten wahrscheinlich schon in TV-Spots, Anzeigen oder
   Presseberichten gestolpert sind, wurde von der BPW, dem VOTS
   (Organisation der Indie-Labels, der GEMA, den
   Schallplattenhandelsverb„nden, Verleger- und Knstlerorganisationen
   usw. - kurz allen Verb„nden und Vereinigungen, die von dem Problem
   betroffen sind, initiiert. Das Ziel der Aktion ist klar: Das Brennen
   von illegalen CDs soll gestoppt oder zumindest auf ein ertr„gliches
   Maá einged„mmt werden. Die M”glichkeiten, die diskutiert werden, um
   diese Zielsetzung zu erreichen, sind indes vielf„ltig - prinzipiell
   lassen sich neben den wohl ziemlich aussichtslosen Appellen an die
   Moral der Konsumenten drei verschiedene Ans„tze ausmachen: Eine
   Žnderung des oben erw„hnten Urheberrechts, das Privatkopien zul„át;
   eine starke Erh”hung der sog. Leermedienabgabe, was einen sprbaren
   Anstieg der Rohlingpreise zur Folge h„tte; sowie ein
   Kopierschutzsystem fr CDs, das die massenhafte Vervielf„ltigung
   verhindert. Eine Žnderung des Urheberrechts, die die derzeit noch
   legale Kopie zu Privatzwecken fr rechtswidrig erkl„ren wrde,
   erscheint derzeit am unwahrscheinlichsten - und wird auch nur von
   einer kleinen Anzahl Hardliner der Branche befrwortet. Die
   Einschr„nkung des Rechts, sich eine Kopie zum Privatgebrauch
   anzufertigen, war nie Ziel der Kampagne, meint Tim Renner, President
   Music Group der Universal Deutschland. Keine der hier versammelten
   Parteien will jemandem, der sich eine Platte kauft, verbieten, dass
   derjenige sich die Songs auf einen Tontr„ger aufnimmt und seiner
   Freundin schenkt. In der Tat wrde ein Generalverbot vor allem an der
   Umsetzung der šberwachung und Kontrolle scheitern - willkrliche
   Hausdurchsuchungen, im Rahmen derer die CD-Sammlung verd„chtiger
   Personen inspiziert wrde, werden sich politisch zur Zeit (und
   hoffentlich auch in Zukunft) nicht durchsetzen lassen. Kommen wir zum
   zweiten Ansatz, der direkt mit dem Urheberrecht zusammenh„ngt. Damals
   wurde festgelegt, dass mit jeder verkauften Leerkassette und jedem
   verkauften Aufnahmeger„t eine Abgabe an s„mtliche Berechtigte (d.h.
   Autoren, Knstler, Tontr„gerhersteller) verbunden ist, um die durch
   die Kopie entstandenen Verluste aufzufangen - was den meisten
   Konsumenten gar nicht bewusst sein wird. Konkret bedeutet das: Wer
   sich eine Kassette, CD-R oder ein anderes Leermedium zulegt, zahlt mit
   dem Kaufpreis 12 Pfennig pro Stunde Spielzeit in einen Topf ein,
   dessen Einnahmen an die Berechtigten wieder ausgeschttet werden - fr
   ein verkauftes Endger„t sind einmalig 2,50 DM f„llig. Die Leermedien-
   und Ger„teabgabe stammt aus den 60er Jahren und war auf analoge Tr„ger
   wie MusiCassette und Spulentonb„nder gemnzt. Diese Kopien hatten und
   haben bekanntlich den (je nach Sichtweise) Vor- bzw. Nachteil, dass
   sie immer einen Qualit„tsverlust in sich bargen: Kein Tape hatte den
   Klang des Originals, und mit jeder weiteren Generation verschlechterte
   sich die Qualit„t abermals - ganz im Gegensatz zur gebrannten CD.
   Massenhafte digitale Vervielf„ltigung, wie sie jetzt stattfindet,
   wurde damals logischerweise nicht bedacht, weil es sie nicht gab.
   Besagte 12 Pfennig-Abgabe auf digitale Tr„ger anzuwenden, sei demnach
   ein absoluter Witz, so Renner: Mit Tapes wurde damals auf den
   Schulh”fen ja nie gehandelt. Mit CDs wird jedoch gehandelt. Also
   lautet die Forderung, in diesem Bereich zwischen analogen und
   digitalen Tr„gern zu unterscheiden (wie es beispielsweise in Belgien
   schon praktiziert wird) und die Abgabe im digitalen Bereich deutlich
   zu erh”hen - im Gespr„ch ist ein CD-R-Endverkaufspreis in H”he von 8
   DM. Kritisch erscheint hier allerdings der Fakt, dass l„ngst nicht
   alle verkauften Rohlinge zu illegalen Zwecken benutzt werden. Von 37,6
   Mio. CD-Rs, die im ersten Halbjahr 1999 von Privatpersonen gebrannt
   wurden, wurden laut einer GfK-Studie 52% mit Musik, 24% mit PC- oder
   Playstation-Spielen, 14% mit Daten, 6% mit Anwender-Software, 1% mit
   Fotos/Dias und 3% mit sonstigen Inhalten bespielt. Unter der Erh”hung
   der CD-R-Preise, die ja nur die illegalen Brenner treffen soll, h„tten
   jedoch alle zu leiden - sowohl diejenigen, die sich berhaupt keine
   Musik auf ihre Rohlinge brennen, als auch jene, die sich legale
   Privatkopien ziehen. Ein Problem, das zwar erkannt wird, aber aus
   Sicht der betroffenen Industrie in Kauf genommen werden muss. Renner:
   In dem Moment, in dem eine Pauschalabgabe vorhanden ist, die
   eigentlich den Missbrauch abschrecken oder zumindest den Urheber- und
   Leistungsschutzrechteinhabern einen Ausgleich zufhren soll, l„át sich
   sowas leider nie vermeiden. Deshalb gibt es ja auch beim Fotokopierer
   eine Pauschalabgabe - auch wenn du deine eigenen Texte kopierst. Wann
   und in welchem Umfang die Leermedienabgabe erh”ht wird, wird gerade
   mit Politikern diskutiert, sich heute schon einen Hamstervorrat an
   CD-Rs anzulegen, scheint jedoch etwas verfrht. Langfristig kann hier
   n„mlich nur eine zumindest EU-weite Regelung greifen - in Zeiten der
   Globalisierung und verschwindender Grenzen wrde es wenig Sinn machen,
   im nationalen Alleingang die Preise drastisch anzuheben, wenn die
   Nachbarl„nder nicht mitziehen. Und EU-Politikmhlen mahlen ja
   bekanntlich nicht mit Lichtgeschwindigkeit... Bleibt als dritter Punkt
   ein Kopierschutzsystem fr CDs. Hier sind zwei Ans„tze denkbar:
   Entweder man versieht die CD an sich mit einem Schutzmechanismus, oder
   man versucht, die Hardware, also den Brenner, entsprechend
   auszursten. Die beste L”sung w„re ein intelligentes Schutzsystem, das
   nur eine bestimmte Anzahl Kopien, im Gespr„ch sind vier Stck,
   zulieáe. So k”nnte die Massenproduktion einged„mmt werden, was die
   betroffene Industrie freut, und gleichzeitig das Recht auf Privatkopie
   gewahrt werden, was natrlich dem Verbraucher zugute kommt. Die Haken
   an diesem Ansatz, der dementsprechend im Hardwarebereich eingreifen
   wrde, seien nicht mal so sehr die technischen Hrden, ein solches
   System zu entwickeln, sondern viel mehr die Ger„tehersteller, die um
   ihre Ums„tze frchten, so Tim Renner: Es gab vor einem halben Jahr
   schon 23 verschiedene praktikable L”sungsm”glichkeiten, die sich aber
   mehrheitlich in den CD-Recordern selbst abspielen, und hier ist die
   Herstellerindustrie dieser Ger„te einfach nicht zur Kooperation bereit
   und kann auch nicht dazu gezwungen werden. Die andere M”glichkeit w„re
   eine Ver„nderung der CD selbst: Das Bertelsmann-Presswerk Sonopress
   hat etwa ein implementiertes Schutzsystem entwickelt, das die CD beim
   Einlesen in den Brenner entweder sofort wieder auswirft, oder den
   Benutzer mit folgender netten Mitteilung begrát: Sie sind im Begriff,
   eine CD illegal zu kopieren. Wenn sie den Datentr„ger nicht in 30
   Sekunden entfernen, wird ihre Festplatte gel”scht. Ganz abgesehen
   davon, dass diese Radikall”sung nun alles andere als
   verbraucherfreundlich ist und nicht zwischen legalem und illegalem
   Kopiervorgang unterscheidet, sind Eingriffe in die CD selbst nicht so
   einfach m”glich - hier muss erst einmal der Patentinhaber zustimmen.
   In diesem Fall ist das der Elektronik-Konzern Philips, der
   selbstverst„ndlich ein Interesse daran hat, seine Endger„te zu
   verkaufen. Eine Einschr„nkung der Vervielf„ltigungsm”glichkeiten wrde
   sich natrlich auch negativ auf die zur Zeit so lukrativ boomende
   Branche auswirken. 35 Millionen DM war dem Konzern die Werbe- und
   Marketingkampagne zur Einfhrung des Audio-CD-Recorders wert - die,
   wie es der Zufall wollte - genau zu dem Zeitpunkt begann, als sich
   Philips mit dem Verkauf von PolyGram an den kanadischen Mischkonzern
   Seagram aus dem Plattenfirmengesch„ft zurckzog. Kein Wunder, dass die
   Plattenindustrie auf Philips nicht sonderlich gut zu sprechen ist; das
   Verhalten der Firma sei ein Skandal, so Virgin-Gesch„ftsfhrer Udo
   Lange, und die vorhandenen Kopierschutzsicherungssysteme, die die
   Seriennummer des Recorders auf der gebrannten CD speichern, hochgradig
   l„cherlich (Renner). Dass man dies im Hause Philips etwas anders
   sieht, berrascht nicht wirklich. Wir untersttzen die Aktion Copy
   Kills Music im Prinzip, da wir auch nicht unbedingt Freunde von
   illegalen Kopien sind. Aber wir finden, dass zwischen kommerziellen
   Raubkopierern, die damit illegal Geld verdienen, und der legalen Kopie
   fr den Hausgebrauch unterschieden werden muss - und diesen
   Unterschied macht die Kampagne nicht richtig deutlich, so Klaus Petri,
   Philips-Pressesprecher im Bereich Consumer Electronics. Und weiter:
   Die CD ist einfach ein Standard, der inzwischen ein paar hundert
   Millionen Mal verkauft worden ist, was die Hardware angeht. Da ist es
   nicht so einfach, den von heute auf morgen zu „ndern und eventuell
   andere Features einzubauen. Die Kompatibilit„t zu den herrschenden
   Standards, sprich den schon vorhandenen technischen M”glichkeiten,
   muss immer gew„hrleistet sein, und insofern macht man es sich ein
   bisschen einfach, zu sagen, wir wrden uns weigern, einen Kopierschutz
   einzubauen. Wir weigern uns nur, das System CD zu killen, indem wir
   seine Kompatibilit„t einschr„nken. Die Tatsache, dass die
   hergestellten Audio-CD-Recorder zu illegalen Zwecken genutzt wrden,
   sei ein Problem, das jeder Hardware-Hersteller hat: Ein Autohersteller
   kann auch nicht verhindern, dass mit seinem Produkt zu einem Bank
   gefahren wird, um dann anschlieáend einen šberfall zu machen. Insofern
   sieht man hier keinen Žnderungsbedarf. Kurzes Zwischenfazit: Das
   Bemhen, den Schaden zu begrenzen bzw. einzud„mmen, ist vorhanden; die
   Frage, die sich stellt, ist jedoch, ob die dargestellten
   Gegenmaánahmen rechtzeitig greifen werden, um den prophezeiten Kollaps
   des Systems Plattenfirma, wie es heute funktioniert, zu verhindern. Im
   Moment funktionieren die groáen Major-Labels nach dem Prinzip der
   Mischkalkulation im Repertoirebereich, d.h. die Einnahmen, die durch
   Knstler und Produkte wie Westernhagen, Lou Bega, Pur, die Bravo
   Hits-Compilations oder - einer der grӇten Faktoren - die Stars von
   gestern erzielt werden, werden an anderer Stelle reinvestiert, um neue
   Bands aufzubauen, die dem Leser dieses Magazins zweifelsfrei mehr am
   Herzen liegen als erw„hnte Megaseller. Natrlich sind haupts„chlich
   die Chartsthemen, die kopiert werden und bei denen die Umsatzeinbuáen
   dementsprechend stark zum Tragen kommen, sozusagen schuld an der
   derzeitigen Misere, aber das Argument des Placebo-Fans, dass es ihm ja
   egal sein kann, wenn die neue Spice Girls-CD zigtausendfach gebrannt
   wird, da er die sowieso scheiáe findet, greift zu kurz. Plattenfirmen
   sind nun mal wirtschaftlich orientierte Unternehmen und keine
   selbstlosen Kulturf”rderungsbetriebe, die Risikofreudigkeit der
   Branche sowieso nicht gerade stark ausgepr„gt, was neue Acts angeht,
   und wenn die Umsatzzahlen bei Virgin sinken, weil sich die Spice
   Girls-Platten nicht mehr so gut verkaufen, werden eben nicht Vic, Mel
   & Co. vor die Tr gesetzt - dann muss sich evtl. Brian Molko nach
   einem neuen Label umschauen bzw. wrde gar nicht erst gesignt werden.
   Die Folge w„re ein noch einseitigeres Nummer Sicher-Programm bei den
   Majors, und ob die Indie-Labels, wie vielfach argumentiert wird,
   dieses Vakuum ann„hernd fllen k”nnen, sei angesichts der auch in
   diesem Bereich immer schwierigeren Situation dahingestellt. Natrlich
   soll hier nicht unn”tig schwarz gemalt werden, zumindest im Moment ist
   es noch nicht so weit, dass hoffnungsvollen Newcomern die Chance auf
   eine breite ™ffentlichkeit verbaut wird - der vielzitierte und
   -geschm„hte Copy Kills Music-Slogan 10.000 Kopien vernichten eine
   Nachwuchsband bleibt insofern nur warnende Zukunftsmusik. Zur Deckung
   der entstandenen Verluste werden vielmehr, wie es so sch”n heiát,
   betriebsinterne L”sungen gesucht: kurzfristig werden Marketingbudgets
   gekrzt und Mitarbeiter freigesetzt. Die Liquidierung der Stuttgarter
   Plattenfirma Intercord (die immerhin Umsatztr„ger wie Fettes Brot,
   Depeche Mode, Reinhard Mey und Pur in ihrem Repertoire hatte) allein
   mit der Brennerproblematik in Zusammenhang zu bringen, scheint zu weit
   hergeholt, mag aber zumindest als Symptom fr den Zustand einer
   Branche gelten, deren Hochzeiten sich dem Ende n„hern. Oder, wie Tim
   Renner es ausdrckt: Der Plattenindustrie geht es nicht gut, aber sie
   nagt auch noch nicht am Hungertuch. Das Problem ist: Wenn sie erst mal
   am Hungertuch nagt, werden die Eigner sehr schnell reagieren. Das
   Interesse des Eigners ist eben, Geld zu verdienen - wenn das nicht
   mehr passiert, steigt er sehr schnell aus. Interessanterweise scheinen
   kleine Indie-Firmen, deren Repertoire eine bestimmte Szene
   repr„sentiert und bedient, am wenigsten unter CD-Brennern zu leiden -
   wie beispielsweise Nannette Fleig von Fat Wreck Chords berichtet: Was
   Verk„ufe angeht, kann ich mich wirklich nicht beklagen, das l„uft bei
   uns besser denn je. Ich sehe das wie frher mit den Kassetten: Wir
   haben damals Tapes kopiert wie bl”de - als jugendlicher Punkrocker
   hatte man ja kein Geld, aber sobald die Kohle da war, musste die
   Originalplatte her. Und ich denke, dass das heute - zumindest was
   diese Untergrund-Szene angeht - nicht viel anders ist. J”rg Schilling,
   Chef des Hannoveraner Schweinerocklabels Loudsprecher, sieht ebenfalls
   keinen akuten Handlungsbedarf fr sich, und kann im Gegenteil den
   neuen Kopierm”glichkeiten sogar positive Aspekte abgewinnen:
   Letztendlich wird mit Copy Kills Music etwas hochgespielt, was zwar
   ein Problem darstellt, aber in seinen Auswirkungen lange nicht so
   dramatisch ist, wie es jetzt dargestellt wird. Ich sehe ein, dass
   solche Knstler wie Britney Spears, deren Hauptklientel sich auf
   Schulh”fen herumtreibt, unter gewissen Umsatzeinbrchen zu leiden
   haben, und ich sehe auch ein, dass mir sicherlich dadurch die eine
   oder andere verkaufte Platte durch die Lappen geht. Auf der anderen
   Seite gibt es aber die M”glichkeit, zumindest die Musik der Bands, die
   ich herausbringe, dadurch auch wieder verfgbar zu machen. In meinem
   Bereich geht es ja darum, dass eine Band berhaupt Verbreitung findet
   und sich etabliert - da ist mir das Medium eigentlich erst einmal
   relativ egal. Wenn nicht heute, dann kaufen die Leute vielleicht das
   n„chste oder bern„chste Album. Bei Roadrunner Records, die Bands wie
   Type O Negative, Machine Head, Slipknot oder Coal Chamber unter
   Vertrag haben, sieht die Lage schon wieder anders aus. Auf 20% sowohl
   der Gesamtkatalogverk„ufe als auch bei Neuver”ffentlichungen beziffert
   Managing Director Henk Hakker die Verluste durch die Brennerei. Aus
   diesem Grund wird man bei Roadrunner dazu bergehen, die CDs
   regelm„áig mit sog. Enhanced Tracks wie Fotos, Videos und Biographien
   auszustatten: Viele einfache Brenner finden dann nur den
   Enhanced-Part, weil der recht dominant wirkt, und beim Brennen wird
   nur dieses Zusatzangebot kopiert, nicht aber die Songs. Das ist zwar
   lange kein hunderprozentiger Schutz, aber es reicht doch aus, vielen
   Normalsterblichen, die jetzt keine Computer-Cracks sind, das Brennen
   zu erschweren. Doch Hakker hat auch einen positiven Aspekt inmitten
   der dsteren Bilanzen ausgemacht: Was ich festgestellt habe, ist, dass
   die Tourneen unserer Bands in diesem Winter alle sehr gut liefen. Ich
   habe das Gefhl, dass die Leute nach wie vor musikinteressiert sind,
   aber ihre Kohle eher fr ein Tourticket ausgeben, als fr eine CD,
   weil die k”nnen sie sich ja brennen. Ich k”nnte mir vorstellen, dass
   sich das alles verlagert: Die Kohle bleibt schon im
   Entertainmentbereich, aber nicht unbedingt bei den Tontr„gerfirmen.
   Eine These, die erst einmal plausibel klingt und fr bestimmte
   Bereiche vielleicht sogar zutreffen mag, bei genauerer Betrachtung
   jedoch differenziert werden muss. Denn allgemein ist zu beobachten,
   dass sich der sog. Entertainment-Dollar, d.h. das Geld, das fr
   Freizeitspaá ausgegeben wird, heute ganz anders verteilt als noch vor
   15 oder 20 Jahren. Damals wurde das vorhandene Budget haupts„chlich
   fr den Musikbereich verwendet - eben weil es keine groáartigen
   Alternativen gab. Heutzutage spricht man dagegen von einem
   Optionsoverkill der Freizeitgestaltungsm”glichkeiten, und die Musik
   konkurriert mit Internet, PC- und Konsolenspielen und Trendsportarten
   um Zeit und Budget - hinzu kommt, dass das (kostspielige)
   Markenbewuátsein fr Kleidung ebenfalls viel st„rker ausgepr„gt ist.
   Auch Lars O.Vogt von der Konzertagentur Lieberberg mag nicht so recht
   an einen durch gebrannte CDs verursachten Konzertboom glauben - im
   Gegenteil: Prinzipiell ist zwar jede Promotion gute Promotion fr den
   Knstler, und das mag ganz kurzfristig betrachtet fr einige Bereiche
   sogar hinhauen, aber man kann jetzt nicht belegen, dass es generelle
   Anstiege bei den Ticketverk„ufen gibt, seitdem CDs gebrannt werden.
   Ich sehe hier viel eher das Problem, das in dem Augenblick, wo die
   Gelder der Plattenindustrie wegfallen, ein ganzes Kartenhaus
   zusammenbricht, das auch das Tourneewesen betreffen wird. 80% der
   Tourneen, die heutzutage laufen, tragen sich nicht selbst, sondern
   funktionieren nur mit dem entsprechenden finanziellen Support der
   Plattenfirmen. Was passiert, wenn der wegf„llt, kann man sich ja
   leicht ausmalen... Der Stellenwert, den Musik einmal fr den
   Konsumenten hatte, ist gesunken, soviel steht fest. Ob die CD-Preise
   sich jedoch - wie oftmals gefordert - den neuen Gegebenheiten
   anpassen, ist trotz der Tatsache, dass die gebrannte CD dadurch an
   Attraktivit„t verlieren wrde, fraglich. Eine CD kostet in der
   Herstellung zwar nicht einmal zwei DM, doch die Kosten fr Marketing,
   Promotion, Copyrights, Risikoumlagen, Verwaltung, Vertrieb und den
   Knstler selbst sind gemeinhin h”her, als der Durchschnittskonsument
   glaubt - zumal ihm an allen Ecken und Enden suggeriert wird, dass der
   Silberling sowieso nichts wert sei: von der AOL-Zugangssoftware, die
   als CD-ROM unaufgefordert im Briefkasten liegt, zum inflation„ren
   Anstieg von CD-Beilagen in Computer- und Musikzeitschriften; vom
   Elektronikmarkt, der Top Ten-Hits fr 20 DM z.T. unter dem
   Einkaufspreis verscheuert, um Kunden in den Laden zu locken, bis hin
   zu Special Marketing-Aktionen, wenn etwa McDonalds in Zusammenarbeit
   mit der Plattenindustrie Hitcompilations fr 9,90 DM anbietet. Smudo,
   der die Copy Kills Music-Kampagne prominent untersttzt, sieht
   zumindest im Fall des vieldiskutierten McDonalds-Sampler, auf dem die
   Fantastischen Vier auch vertreten waren, eine Chance, die
   tats„chlichen Dinosaurier der Branche, n„mlich Handel und Vertriebe,
   zu umgehen: Natrlich ist der McDonalds-Sampler ohne H„ndler- und
   Vertriebsanteil wesentlich billiger anzubieten. Allerdings setzt der
   Vertrieb dann die Plattenfirma unter Druck, indem er sagt: H”r mal
   Sony Music, wenn du noch einmal so eine Aktion machst wie die hier,
   dann kannst du gucken, wer deine Fanta 4-CD im Laden verkauft. Aber
   bei diesem Beispiel glaube ich nicht daran, dass das ein Grund fr den
   Werteverfall knstlerischer Arbeit beim Musikh”rer ist. Sogenannte
   Club-Verk„ufe oder andere vertriebslose Ideen gab es schon immer. Der
   Fanta 4-Rapper ist optimistisch, dass auch die Plattenfirmen dem
   Konsumenten in irgendeiner Form entgegenkommen werden. Etwa dadurch,
   dass man auf der Original-CD ein Hologramm anbringt, welches einen als
   legitimen CD-K„ufer ausweist und einem damit dann beispielsweise
   verbilligten Eintritt zu Konzerten verschafft. Oder man bietet die CD,
   die ganz neu erscheint, zuerst als Vollpreis-CD mit Cover, Booklet usw
   an, ein halbes Jahr sp„ter in einer billigeren Variante nur mit
   Blatteinlage, und nach einem Jahr dann als superbilligen
   Online-Download - so „hnlich wie die Preisrutsche im Buchhandel, wo
   man zuerst ein gebundenes Buch bekommt, welches sp„ter zu einem
   Paperback wird. Im Rahmen der Copy Kills Music-Kampagne fanden und
   finden auch Informationsveranstaltungen an Schulen statt, und es ist
   den um Verst„ndnis werbenden Knstlern mehr als einmal passiert, dass
   ihnen Totschlagargumente wie Da kommt so ein Scheiámillion„r und
   erz„hlt mir, dass ich seine CD nicht brennen soll. Ich muss aber
   nachher mein Straáenbahnticket bezahlen oder Die Plattenfirmen haben
   jahrelang riesige Summen verdient, und jetzt jammern sie herum, wenn
   wir uns die total berteuerten CD-Preise nicht mehr bieten lassen um
   die Ohren geknallt wurden. Smudo kennt diese Sprche: Natrlich hat
   der Konsument den Eindruck, dass die Plattenbranche jammert, vergisst
   dabei aber, dass sie auch im Sinne der mit ihnen verbundenen Knstlern
   jammert. Klar juckt es einen Musik-Groáverdiener weniger, wenn er ein
   paarmal kopiert wird, zumindest rein finanziell. Ich finde das
   gezielte illegale Kopieren von uns deshalb nicht gut, weil ich mich
   knstlerisch hintergangen fhle. Die Musikerkollegen von Such A Surge
   scheinen dieses Problem nicht zu haben, wie Bassist und Manager Axel
   Horn ausfhrt: Uns kann es ziemlich egal sein, wie die Menschen an
   unsere Musik kommen, ob sie die CD gekauft, gebrannt oder geklaut
   haben, denn wir sind eine Liveband. Uns geht es darum, dass die Leute
   zu unseren Shows kommen, und je mehr Leute die Musik kennen, desto
   mehr Leute kommen auch zu den Konzerten. Wie man auch hier wieder
   feststellt, gehen die Meinungen bezglich der Auswirkungen, Chancen
   und Bedrohungen des neuen Volkssports CD-Brennen weit auseinander.
   šberhaupt steht im Grunde nur eines fest: Der kleine runde Silberling,
   um den hier so heftig gestritten wird, ist mittelfristig sowieso ein
   Auslaufmodell, und wenn man in Betrachtung zieht, welche M”glichkeiten
   neue Medien wie das Internet (siehe MP3-Reportage in VISIONS Nr. 74 u.
   75) oder die n„chste Handygeneration offenbaren, wird klar, welcher
   Kampf hier ausgetragen wird: ein Rckzugsgefecht auf traditionellem
   Schlachtfeld, mit dem Ziel, die Weichen fr die Zukunft zu stellen.
   Ingo Neumayer